FEBRUAR 1998

Achtung vor der Umgangssprache

Wenn Sie einen offiziellen Text z.B. für Ihr nächstes firmeninternes Meeting entwerfen, dann lassen Sie sich nicht dazu verleiten, sogenannte "In- Ausdrücke", die Sie in der letzten Talkshow oder dem letzten Hollywood-Kassenschlager aufgeschnappt haben, zu verwenden. Der Wunsch, sich auf diese Weise spontan, jugendlich und up-to-date zu zeigen, kann auch nach hinten losgehen. Denn nicht jeder neue Ausdruck der Umgangssprache hält dem Kontext eines Firmenmeetings oder eines Kaufvertrags Ihrer Firma stand.

Als Umgangssprache bezeichnet man eine breite Skala von linguistischen Phänomenen, die von regionalen, soziologischen und gruppenspezifischen Gegebenheiten beeinflußt wird.
Dennoch könnte man auch kurz zusammenfassend und generalisierend sagen: Die Umgangssprache ist die "Sprache der Straße". Ein Medium, das unsere sich immer schneller verändernde Gesellschaft reflektiert und konkretisiert. Eine Sprache, die von der Jugend und ihren Bedürfnissen und dem Verlangen nach Neuem geprägt ist, der unterschwellige Bedeutungen zugemessen werden, die nur von einigen "Eingeweihten" verstanden werden. Umgangssprache ist metaphorischer und vergänglicher als die Hoch- oder Standard-Sprache.

Was aber nicht vergessen werden sollte, ist, daß die Umgangssprache fast ausschließlich in der gesprochenen Sprache verwendet wird, so daß seine Übertragung in die Schriftsprache im allgemeinen völlig fehl am Platze wirkt- wenn auch die Verwendung einiger "neuer" Worte gar nicht inkorrekt wären.

Die verlockende Abkürzung

Wer ertappt sich selbst denn nie dabei, in eigenen Notizen die erstaunlichsten Abkürzungen für so ziemlich alles zu finden?
Auch in persönlichen oder gar offiziellen Mitteilungen wird so "einmal" zu "'mal" oder "etwas" zu "'was". Die Erklärung dieses Phänomens liegt in der sogenannten Sprachökonomie, die jeder Sprache innewohnt. Somit werden vor allem in der gesprochenden Sprache Worte abgekürzt und miteinander verflochten, so daß ein einziger Redefluß entsteht (das hört sich dann etwa so an: "Dann woll'n wa 'mal..." Während das harmlose 'mal oder 'was in nicht hochoffiziellen Texten (z.B. persönlichen Briefen oder Mitteilungen) an einen bekannten Leser durchaus akzeptabel ist, ist das zweite Beispiel zwar allen Schnellrednern zu eigen, sollte allerdings in offiziellen Texten und Dokumenten auf jeden Fall vermieden werden, auch wenn man sein Gegenüber bzw. den Leser noch so gut zu kennen glaubt.

Umgangssprache gegen Idiome

Auch um die idiomatischen Ausdrücke ist es im formellen Kontext nicht gerade gut bestellt. Unter einem Idiom versteht man dabei eine Redewendung, deren Gesamtbedeutung nicht aus der Bedeutung der Einzelwörter erschlossen werden kann. Wer würde auch bei einem noch so nett gemeinten "Eine Hand wäscht die andere" nicht erstaunt seinen Geschäftspartner anblicken und seine Ernsthaftigkeit, bzw. Kompetenz anzweifeln?

Abschließend kann also gesagt werden: Hände weg von Idiomen und Ausdrücken aus der Umgangssprache, wenn man sich in einem formellen Kontext bewegt. Denn der Kontext muß ganz einfach stimmen. Und in diesem Fall tut er es eben nicht. Heben Sie sich Ihre neuen Worte - und sollten sie Ihnen noch so viel Spaß bereiten - lieber für Ihren nächsten Abend unter Freunden auf. Das kommt einfach besser!

Maiken Taaks