FEBRUAR 1999

Mahlen oder Malen?

Gleichklingende,
aber verschieden geschriebene Wörter in der deutschen Sprache

Ein Vorteil für deutsch Lernende besteht ohne Zweifel in der Aussprache des Deutschen, da sie, im Gegensatz zu der englischen und französischen Aussprache, genau dem geschriebenen Wort entspricht. Die einfache Aussprache der Buchstabenreihenfolge ergibt also in der Regel die korrekte Lautfolge deutscher Wörter. Dennoch weist die deutsche Sprache eine Vielzahl von gleichklingenden Wörtern auf, die unterschiedlich geschrieben werden und natürlich unterschiedlicher Bedeutung sind. Diese "Zweifelsfälle" bereiten auch deutschen Muttersprachlern immer wieder Probleme.

Die unterschiedliche Schreibweise der deutschen Präfixe ent- und end- führt sehr oft zu Rechtschreibfehlern: end- wird von dem Wort das Ende abgeleitet und beispielsweise in den Komposita Enderfolg, endgültig, endlich, Endpunkt, Endrunde, Endsilbe usw. verwendet, die alle auf ein Ende oder einen Abschluß hinweisen. Die Bedeutung der Vorsilbe ent- kann hingegen nicht eindeutig festgelegt werden. Hier einige Anwendungsbeispiele: enttäuschen, entzünden, entscheiden, entziffern. Beachte, daß diese Vorsilben nichts mit dem Ende zu tun haben.
Die Unterscheidung zwischen ä und e bereitet nicht nur deutsch Lernenden, sondern auch Muttersprachlern häufig Schwierigkeiten, da sich die orthographische Unterscheidung nicht in der Aussprache äußert. Beispiele hierfür sind die Homophone Fälle, der Plural von der Fall, und Felle, das Haarkleid von Säugetieren; das Substantiv Feld wie in Ackerfeld und das konjugierte Verb er fällt: Er fällt die Bäume im Garten. Das Substantiv der Held (die Helden des Krieges) klingt ebenso wie das Verb er hält: er hält das Kind auf dem Arm; und das Adverb heute ist homophon mit dem Plural des Substantivs Haut, die Häute. Mit h oder ohne h? Diese Frage stellt ein weiteres schwieriges Problem der deutschen Rechtschreibung dar, da sich die unterschiedliche Schreibweise anhand der Aussprache ebenfalls nicht ausfindig machen läßt. Mahlen leitet sich von dem Substantiv die Mühle ab und ist nicht zu verwechseln mit malen, das die Bedeutung von zeichnen hat und von dem Substantiv das Mal in der Bedeutung Zeichen, Fleck abgeleitet wird. Das Substantiv Lehre bezeichnet die Zeit der Ausbildung und die Leere ist die Bezeichnung für einen Raum, in dem sich nichts befindet. Das Substantiv das Mal bedeutet ursprünglich Zeitpunkt. Es klingt identisch mit dem Substantiv das Mahl in der Bedeutung Essen. Die Unterscheidung zwischen s, ss und ß stellt für Nicht-Muttersprachler ein besonderes Problem dar, da der Buchstabe ß (sprich sz oder scharfes s) in anderen Sprachen nicht existiert. Die wichtigste Unterscheidung zwischen s und ß bereitet auch Deutschen immer wieder Probleme: das oder daß zur Einleitung eines Nebensatzes: Das Buch, das ich gelesen habe, war äußerst fesselnd. In dieser Funktion als Relativpronomen wird stets die Form das verwendet. Als einen Nebensatz einleitende Konjunktion mu§ jedoch stets da§ geschrieben werden: Ich glaube, daß sich das Produkt gut verkaufen lassen wird. Die Form er ißt gehört zu dem Verb essen (er ißt sehr viel), und die Form er ist zu dem Verb sein, das auch als Hilfsverb zur Bildung zusammengesetzter Verbformen gebraucht wird: Er ist zu spät gekommen. Er ist Lehrer. Die Form er reißt gehört zu dem Verb reißen, das u.a. die Bedeutungen zerreißen, durchtrennen hat und mit der Riß verwandt ist. Die Form reist leitet sich vom Verb reisen in der Bedeutung eine Reise machen ab.

Weitere Zweifelsfälle der deutschen Rechtschreibung existieren bei den Unterscheidungen zwischen g und k, s und z und zwischen i und ie: Die Form er singt gehört zu dem Verb singen (ein Lied singen), während das Verb er sinkt von sinken in der Bedeutung untergehen stammt. Das Substantiv der Pilz ist der Name einer Pflanze (im Wald Pilze sammeln), während das Pils die Bezeichnung für ein bestimmtes Bier ist.