JANUAR 2000

Feste Redewendungen im Deutschen

Wenn man eine Sprache lernt, gehören feste Wendungen und Sprichwörter dazu. Sie haben immer eine besondere Bedeutung, die nicht leicht zu übersetzen ist und oft in den Wörterbüchern nicht zu finden ist. Sie sind besonders typisch für eine Sprache und man findet sie überall. Redewendungen stammen aus den verschiedensten Lebensbereichen, viele beziehen sich auf Lebensumstände und Vorstellungen, die uns fremd geworden sind, weil sich die Zeiten und die kulturellen Verhältnisse geändert haben. Für Menschen, die die deutsche Sprache lernen, ist es dadurch noch schwieriger, den Sinn bestimmter Wendungen zu verstehen, da die Wurzeln nicht mehr nachvollziehbar sind.

Viele feste Redewendungen hat das Deutsche immer wieder aus fremden Sprachen aufgenommen und sie im Laufe der Zeit im deutschen Wortschatz eingegliedert. Beispiele hierfür sind Last but not least, à la bonne heure, Status quo, en passant, en vogue, vis-à-vis, Accessoire...Oft werden auch Redewendungen anderer Sprachen ins Deutsche übersetzt. Zum Beispiel: eiserner Vorhang (nach engl. iron curtain) oder das Gesicht verlieren (nach engl. lose face).

Im folgenden sollen einige sehr geläufige Redewendungen der deutschen Sprache vorgestellt werden, die vom Wortlaut her nicht unbedingt auf die Bedeutung schließen lassen.

"Kalter Kaffee": Das ist doch alles kalter Kaffee, was er da redet. Diese Redewendung bedeutet, das ist alles schon längst bekannt, nichts Neues mehr. Die Wendung bezieht sich darauf, daß Kaffee, wenn er kalt wird, sein Aroma verliert.

"Der letzte Schrei": Sie kleidet sich immer nach dem letzten Schrei. Diese Redewendung bedeutet, daß es sich um die neueste Mode handelt. Diese Wendung ist eine Lehnübersetzung des gleichbedeutenden französischen "le dernier cri". Der Ursprung dieser Wendung ist nicht geklärt.

"rote Zahlen schreiben": Seit zwei Jahren schreibt der Konzern rote Zahlen. Diese Redewendung bedeutet, der Konzern macht Verluste. Die Wendungen beziehen sich auf die kaufmännische Bilanz, in der traditionell die Zahlen eines Defizits rot geschrieben werden.

"schwarze Zahlen schreiben": Der Betrieb wurde saniert und schreibt jetzt wieder schwarze Zahlen. Diese Redewendung bedeutet, der Betrieb macht Gewinne. In der kaufmännischen Bilanz werden die Gewinne schwarz geschrieben.

"Die Bilanz ziehen": Wir müssen endlich die Bilanz aus drei Jahren Beziehung ziehen. Diese Redewendung bedeutet, das Ergebnis von etwas feststellen und kommt ebenfalls aus dem kaufmännischen Bereich.

"Einer Sache Rechnung tragen": Die Arbeiter müssen der Tatsache Rechnung tragen, daß die Gehälter nicht steigen werden. Diese Redewendung bedeutet, eine Tatsache muß berücksichtigt werden. Bei dieser Wendung handelt es sich wahrscheinlich um eine Lehnübersetzung des italienischen "portare conto" (= Rechnung ablegen) aus der italienischen Kaufmannssprache.

"In der Kreide stehen": Er steht bei seinem Bruder mit 10.000 DM in der Kreide. Diese Redewendung bedeutet Schulden haben. Dieser Ausdruck geht darauf zurück, daß früher der Wirt eines Gasthauses die Schulden seiner Gäste mit Kreide auf einer Tafel notierte.

"Es ist nicht alles Gold, was glänzt": Auf den ersten Blick scheinen die Menschen in dieser Gesellschaft glücklich zu sein, aber es ist nicht alle Gold, was glänzt. Dieser Ausspruch bedeutet, der äußere Schein ist oft trügerisch und nicht alles ist so, wie es scheint.

"Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert": Dies ist ein Sprichwort, das zum Ausdruck bringen soll, daß derjenige, der mit kleinen Beträgen achtlos umgeht, es nicht zu finanziellem Wohlstand bringen wird.

Natürlich gibt noch unzählige Redewendungen und Sprichwörter, eines für alle Lebenslagen. Auch das ist ein Sprichwort.