JANUAR 2001

"Downloaden" jetzt laut Duden erlaubt

Jedes Jahr werden hunderte von neuen Wörtern in die deutsche Sprache, und folglich in das Repertoire des Duden aufgenommen. Besonders aus dem Englischen übernommene Begriffe aus der Informationstechnologie, aber auch aus der Szenesprache, halten Einzug ins Deutsche und gehören schon bald zum sprachlichen Alltag vieler Deutscher.

Die am 25. August diesen Jahres erschienene 22. Auflage des deutschen Duden kennt 5000 Begriffe mehr als die vier Jahre zurückliegende letzte Auflage. Neben Anleihen aus der Szenesprache wie Warmduscher (umgangssprachlich für Mann, dessen "unmännlichen" Züge man hervorheben möchte) stammt ein großer Teil der Neuerungen aus der Computerwelt. Webcam ist nur einer von zahlreichen Begriffen, der seinen Weg in das Wörterbuch der deutschen Sprache geschafft hat.

Insgesamt werden 171 Stichwörter mit dem Zusatz "EDV" als entsprechende Fachbegriffe qualifiziert. Zu einer kühnen Festlegung hat sich der Duden beim Downloaden durchgerungen - hier wird auch die unschöne Perfektform ich habe downgeloadet akzeptiert. Verglichen mit anderen Branchen ist die Informationstechnologie bei den im Duden aufgenommenen Markennamen kaum vertreten. Bisher war hier nur der Gameboy aufgeführt, jetzt gibt es auch noch weitere Anglizismen aus der IT-Sprache wie die Playstation, Hyperlink und den Pentium, aber noch kein Windows, kein Linux und keinen Apple. Dafür übernimmt das Rechtschreibwörterbuch die Liebe der IT-Branche zu Abkürzungen: Berücksichtigt wurden unter anderem die DVD, HTML (Hypertext Markup Language), SMS (Short Message Service) und WAP (Wireless Application Protocol). Mit solchen kleinen Bugs - auch dieser Begriff hat es neu in den Duden geschafft - ist das traditionelle Werk 120 Jahre nach Konrad Dudens "Vollständigem Orthographischem Wörterbuch der deutschen Sprache" endgültig im Computerzeitalter angekommen. Passend zu den zahlreichen aufgenommenen Anglizismen taucht auch denglish erstmals auf - für jenes Mischmasch von Deutsch und Englisch, das konservativen Sprachhütern sauer aufstö§t und deren Entsprechung bei unseren frankophonen Nachbarn undenkbar wäre.

Neu sind auch rote Infokästen zu schwierigen Fällen von Groß-, Klein-, Getrennt- oder Zusammenschreibung. So stehlt das von Philosophen geschätzte Sosein dem So-oder-anders-Sein gegenüber. Geblieben ist hingegen die rote Hervorhebung von Schreibungen und Trennungen, die nach der deutschen Rechtschreibreform aus dem Jahre 1998 nun offiziell gelten, an die sich aber so recht noch niemand halten mag. Herausgefallen sind nur wenige hundert veraltete Wörter, neben dem Pomadenhengst etwa auch die Windbüchse.