JUNI 2001

Amerikanismen / Anglizismen Teil 1: Wortschatz

1. Direkte (äußere) Entlehnungen

aus dem Englischen finden sich in allen Lebens- und Sprachbereichen:

(Politik, Wirtschaft) Boom, Job, Hearing, Telebanking, Outsourcing; (Forschung, Technik) Black-out, Update, Hotline, E-Mail; (Kultur, Freizeit usw.) Sitcom, Inlineskate, Surfing, Jogging, Skateboard, Drop-out, Freak, Vamp, Patchwork, Gameshow, Rave, Wellness, Rooming-in, Groupie, Babysitter.

Manche dieser Entlehnungen kamen mit der Sache selbst ins Deutsche und füllten eine Wortlücke aus ((Blue)jeans, Surfing, Skateboard), andere treten in Konkurrenz zu deutschen Wörtern, verdrängen diese oder aber bereichern das jeweilige Wortfeld in inhaltlicher oder stilistischer Hinsicht. man denke etwa an Teenager (Teenie, Teeny) und Backfisch, Hobby und Steckenpferd, Job und Arbeit(splatz), Jogging und Dauerlauf.

Von diesen echten Entlehnungen sind die so genannten Scheinentlehnungen zu unterscheiden, die zwar aus englischem Wortmaterial gebildet wurden, aber nicht Bestandteil der englischen Sprache sind (Twen, Dressman, Handy, Pullunder).

2. Innere Entlehnungen

Innere Entlehnungen aus dem Englischen zeigen sich einmal in den deutschen Wörtern oder Wendungen, die als Lehnübersetzungen anzusprechen sind:
Gehirnwäsche (brainwashing), nasse Farbe (wet paint), Geburtenkontrolle (birth control), Kabelfernsehen (cable television), schweigende Mehrheit (silent majority), Halbleiter (semiconductor), einmal mehr (once more), Kalter Krieg (cold war), Selbstbedienung (self service), ...

Um Lehnübertragungen aus dem Englischen handelt es sich bei
Luftbrücke (airlift), Untertreibung (understatement), Titelgeschichte (cover story), gleitende Arbeitszeit (flexitime), Pferdeschwanz (ponytail), Schlafstadt (dormitory town), Marschflugkörper (cruise missile), Urknalltheorie (big bang theory).

Als Lehnschöpfungen sind Wörter anzusehen wie
Nietenhose (blue jeans), kopflastig (top-heavy), Blockfreiheit (non-alinement), Konterschlag (backlash), Helligkeitsregler (dimmer), Luftkissenboot (hovercraft), Wasserglätte (aquaplaning).

Als Lehnwendungen sind zu betrachten:
Im gleichen Boot sitzen (be in the same boat), jemandem die Schau stehlen (steal the show), das Gesicht wahren (save one's face), das Licht am Ende des Tunnels sehen (see the light at the end of the tunnel).

Manche Wörter haben durch Einfluss des Englischen eine weitere Bedeutung, eine Lehnbedeutung, erhalten. So hat realisieren durch realize/realise neben seinen Bedeutungen "verwirklichen" und "in Geld umwandeln" noch die Bedeutung "sich etwas in Bewusstsein bringen/sich einer Sache bewusst werden" bekommen, kontrollieren hat über control die Bedeutung "beherrschen" hinzugewonnen, dekorieren über decorate die Bedeutung "(militärisch) auszeichnen" und feuern über fire die Bedeutung "entlassen" Das Adjektiv vital bedeutet neben "voller Lebenskraft" auch "lebenswichtig" (vgl. vital interests) und hässlich im Sinne von "böse" in Verbindung mit Nationalitätsbezeichnungen ist beeinflusst von ugly. Doppeltentlehnungen liegen z.B. in Hobby und fashionabel vor. Das sind Wörter, die zuerst übersetzt oder eingedeutscht in die deutsche Sprache gekommen sind (Steckenpferd = hobby horse und fesch) und später noch einmal, und zwar unüberstezt, im Deutschen Aufnahme gefunden haben.