MÄRZ 1999

Weil das ist nämlich so...

Wie bitte? Nein, das ist nun wirklich kein deutscher Satz. Und warum nicht ? Mit "weil" werden Kausalsätze, Begründungssätze eingeleitet:

Wir freuen uns, weil heute Besuch kommt.
Er kann nicht arbeiten, weil er krank ist.

Immer steht in diesen Sätzen die Personalform des Prädikats am Ende, und diese Nebensätze müssen immer die gleiche Wortstellung haben, wie alle abhängigen Sätze mit Einleitewort.

Trotzdem hören wir in Gesprächen immer wieder Sätze folgender Art:

Das ist schlecht, weil in der Stadt findet man so schwer einen Parkplatz.
Heute wollte er zu Hause bleiben, weil er ist nämlich krank.
Ich habe in Schweden nie gefroren, weil ich war immer dick angezogen.

Diese Sätze oder zumindest diese Satzstellungen haben wir alle schon einmal gehört und bestimmt auch schon selbst gesprochen. Aber keiner würde wohl solche Sätze schreiben. Sie sind das Ergebnis lebhafter gesprochener Sprache.

Mit dieser Feststellung kann man sich schon einer Erklärung für dieses Phänomen nähern. Der Sprecher will eine Begründung geben, er setzt an: "weil..." Aber der Inhalt der Begründung füllt sein Denken so aus, drängt sich so in den Vordergrund, daß ein Hauptsatz daraus wird. Die Beispiele zeigen dies sehr deutlich.

Steht also "weil" nicht mehr als untergeordnete Konjunktion, sondern nebenordnend vor einem Hauptsatz? Manchmal, aber nur manchmal macht der Sprecher nach dem "weil" eine kleine Pause. Würde dies geschrieben werden, könnte an der Stelle vor dem "weil" auch ein Gedankenstrich oder ein Doppelpunkt stehen. Der Grammatiker spricht dann von einem Satzbruch: Der mit "weil" begonnene Satz wird nicht fortgeführt, sondern sprunghaft neu begonnen. Die meisten, die "weil" so verwenden, sind aber schon über den Satzbruch hinausgelangt und machen keine Pause, sondern leiten tatsächlich einen Hauptsatz mit "weil" ein.

Diese Konjunktion ist aber im deutschen grammatischen System der Kausalbeziehungen unentbehrlich zur Einleitung von Nebensätzen. Neben dem gleichfalls kausalen, aber schwächeren "da" wird sie überall gebraucht, wo für das Geschehen im Hauptsatz ein gewichtiger, neuer Grund angeführt werden soll. Nehmen wir ein Beispiel: Der Satz "Da ich ihn kenne, vertraue ich ihm" stellt fest, dass die Voraussetzung für das Vertauen vorliegt: "da ich ihn kenne". Anders der Satz "Ich vertraue ihm, denn ich kenne ihn." Das sind zwei Feststellungen, beide in Hauptsatzform, die das "denn" aufeinander bezieht.

Dringt nun "weil" in die nebenordnende Funktion des "denn" ein? Löst sich die kausale Beziehung von Haupt-und Nebensatz in bloße Satzreihen auf? Das wäre schade. Vor allem aber: Es geht nicht an, daß eine Konjunktion nach Bedarf unterordnende oder nebenordnende Funktion hat, unsere Sprache würde in einem wesentlichen Bereich mehrdeutig und unklar.

Wir sollten darauf achten, daß solche Sätze nicht überhandnehmen.

Dies gilt auch für die folgenden, leicht zweckentfremdeten, Satzkonstruktionen: "Nachdem Du mein Freund bist, könntest Du mir mal 10 DM leihen."
Man kann sich wundern, dennoch ist auch dies wieder eine Satzkonstruktion, die (leider!) immer wieder zu hören ist, aber auf keinen Fall der geschriebenen Sprache angehört! Mit dem Satz ist gemeint, da§ der Sprecher feststellt, da§ der andere sein Freund ist.

Wir würden sagen: Weil du mein Freund bist, könntest du mir einmal 10 DM leihen.

"Nachdem", das hier für "weil" oder "da" gebraucht wird, darf in korrektem Deutsch nur einen Zeitsatz einleiten, es ist eine temporale Konjunktion, und zwar eine, die Vorzeitigkeit ausdrückt:

Nachdem er gegessen hatte, ging er an die Arbeit.
Nachdem sich der Vorhang geöffnet hat, sieht man erst nichts.

Bei nachdem steht also entweder das Plusquamperfekt oder das Perfekt. Der Nebensatz mit nachdem kann auch Nachsatz sein: Er ging an die Arbeit, nachdem er gegessen hatte.

Auch hier muß auf den richtigen Gebrauch geachtet werden, und solche Sätze sollten so weit wie möglich vermieden werden.