NOVEMBER 1999

Wer sagt da "Kommatas"?

"Fremdwörter sind Glücksache!" So sagt man mit freundlicher Nachsicht, wenn jemand Albumine und Alimente verwechselt oder beim Kellner statt des Menüs ein Menuett bestellt. Aber nicht nur die Bedeutungen der Fremdwörter, sondern auch ihre Formen sind oft schwierig zu handhaben, weil sich hier mancherlei Einflüsse kreuzen.
Viele Substantive unter den Fremdwörtern, wohl die meisten, sind in ihren Deklinationsformen eingedeutscht worden. Sie folgen der im Deutschen üblichen starken, schwachen oder gemischten Deklination:

stark: der Apparat, des Apparat(e)s, die Apparate; der Komplex, des Komplexes, die Komplexe; der Friseur, des Friseurs, die Friseure; das Fragment, des Fragments, die Fragmente.

schwach: der Student, des Studenten, die Studenten; der Drogist, des Drogisten, die Drogisten; der Soldat, des Soldaten, die Soldaten; die Kommission, der Kommission, die Kommissionen; die Figur der Figur, die Figuren.

gemischt (d.h. nur im Plural schwach): der Doktor, des Doktors, die Doktoren; das Insekt, des Insekts, die Insekten; der Typ, des Typs, die Typen; das Museum, des Museums, die Museen.

Daneben gibt es den Plural auf -s. Er triff vor allem bei Fremdwörtern aus dem Englischen und Französischen auf, weil er in diesen Sprachen heimisch ist:

englisch: die Hobbys, die Ponys, die Steaks, die Slums, die Partys oder Parties, die Ladys oder Ladies;

französisch: die Salons, die Bankiers, die Büros, die Doubles;

aus andern Sprachen: die Pianos, die Tornados, die Emus, die Geishas, die Iglus, die Anoraks.

Manche Fremdwörter haben Doppelformen entwickelt, weil zwar die Deklination in der Ursprungssprache noch nachwirkt, auf der anderen Seite aber auch viele Sprecher diese Wörter als Bestandteile der deutschen Sprache ansehen und entsprechend beugen. So stehen z.B. Formen auf -s und solche auf -e nebeneinander:

Die Balkons - die Balkone; die Parks - die Parke; die Parfums - die Parfüme.

Lateinische und griechische Wörter, bei denen man zuerst die deutschen Endungen an den fremden Stamm setzte, haben neue Plurale vom Nominativ her gebildet:

Die Atlanten - die Atlasse; die Globen - die Globusse, die Alben - die Albums (umgangssprachl.).

Bei anderen Wörtern dieser Art sind die deutschen Formen allein üblich:

Die Zirkusse, die Krokusse, die Omnibusse.

Die fremdsprachlichen Plurale sind naturgemäß vielen ungewohnt. Wer Latein und Griechisch nicht in der Schule gelernt hat, dem kann man es nicht verdenken, wenn er mit Wörtern wie die Indizes (statt Indexe), die Schemata (statt Schemas), die Detergenzia (statt Detergenzien) nichts anfangen kann. So kommt es dann, daß jemand die Pluralformen zusätzlich mit einem -s versieht, um sie nach seiner Meinung erst eindeutig zu machen. Das sieht dann so aus:

Das Schema, die Schemas oder Schemata, falsch gebildet: die Schematas; das Thema, die Themen oder Themata, falsch gebildet: die Thematas, das Komma, die Kommas oder Kommata, falsch gebildet: die Kommatas; das Lexikon, die Lexiken oder Lexika, falsch gebildet: die Lexikas.