NOVEMBER 2000

Das Datum

Heißt es am Dienstag, dem... oder am Dienstag, den...?
Um ein Datum zu bestimmen, hat die deutsche Sprache im ganzen gesehen zwei Möglichkeiten. Sie kann eine Präposition verwenden, meist an in der Form am = an + dem:

am Dienstag, am 10. August, am kommenden Sonntag, an Neujahr, am Ostermontag, am Tag der Arbeit.

Sie kann aber auch den bloßen Akkusativ der Zeit anwenden:

nächsten Dienstag; Mannheim, den 3. Juni; oder allgemeiner: kommende Woche, vergangenen Herbst, letztes Jahr. Wir verreisen diesen Sommer im August.

Stehen nun zwei Bezeichnungen für den gleichen Tag nebeneinander, so ist es das natürlichste, wenn beide im gleichen Fall stehen. Entweder im Dativ mit am:

Am Dienstag, dem 10. August, reisen wir ab.

Oder im adverbialen Akkusativ:

Nächsten Dienstag, den 10. August, reisen wir ab.

Bei diesen beiden Formulierungen des Datums ist der Monatstag ein nachgestellter Beisatz (eine nachgestellte Apposition) zum Wochentag. Denn der Beisatz steht nach der grammatischen Regel im gleichen Fall wie sein Bezugswort.

Fehlen nur Beifügungen wie "nächsten, diesen, kommenden", dann ist zwar der Akkusativ des Wochentags nicht mehr erkennbar. Der Monatstag behält aber den kennzeichnenden Artikel "den":

Dienstag, den 10. August, reisen wir ab.

Das sind also die beiden möglichen Ausdrucksweisen für das Datum: Der Dativ mit am und der adverbiale Akkusativ. Im Sprachgebrauch haben sie sich oft vermischt, so daß der Wochentag im Dativ mit am, der Monatstag aber im Akkusativ steht:

Am Dienstag, den 10. August reisen wir ab.

Diese Form ist früher oft falsch gerügt worden. Man hielt sie für eine unerlaubte Kasusabweichung in der Apposition. Wer aber das Oben gesagte bedenkt, der erkennt, daß hier ganz einfach zwei voneinander unabhängige Zeitangaben zusammenkommen. Wir haben keine falsche Apposition vor uns, sondern eine Aufzählung. Darum setzen wir auch nach dieser Form des Datums kein Komma.

Diese Schreibweise ist natürlich auch bei der Form ohne am möglich, wenn der Fall, in dem der Wochentag steht, nicht mehr erkennbar ist:

Dienstag, den 10. August reisen wir ab.

Aus all dem ergibt sich, daß der Schreibende volle formale Freiheit hat. Er kann die grammatisch strenge Form der Apposition wählen oder die loserer Form der Aufzählung selbständiger Zeitangaben. Er muß nur darauf achten, daß er bei der Apposition das zweite Komma setzt und daß er es bei der Aufzählung wegläßt. Gebraucht er das Wort am gar nicht, dann kann er auch gar nichts falsch machen:

Dienstag, den 10. August, reisen wir ab/Dienstag, den 10. August reisen wir ab.

Eins aber muß noch gesagt werden: Einen adverbialen Dativ gibt es nicht! Der Dativ kann in der Zeitangabe nur mit einer Präposition auftreten. Was man also oft bei Briefen liest:

Dienstag, dem 10. August oder Mannheim, dem 10. August - das ist falsch!