OKTOBER 1999

Zum Markt / ins Theater / nach Hause

Alle vier Präpositionen dieser Überschrift geben die Richtung an, das Ziel zu dem jemand unterwegs ist. Aber ihre Funktionen sind verschieden, und man kann sie nicht ohne weiteres austauschen.

Die Präposition zu gibt zunächst die Richtung auf einen bestimmten Punkt an, der erreicht, aber nicht unbedingt überschritten werden soll: Wie komme ich zum Bahnhof zur Sporthalle, zum Rathaus ?

Wer so fragt, will nur den Weg wissen. Was er am Ziel tun wird, bleibt ungesagt. Er kann eine Fahrkarte kaufen und den Zug besteigen, er kann einen Besuch beim Bürgermeister machen oder nur einen Freund treffen wollen. Auch die Straßenbahn, die zum Markt fahrt, hat dort nichts zu tun, sie bringt nur die Fahrgäste dorthin.

Allerdings kann zu in anderem Zusammenhang auch stärker auf das Ziel orientiert sein : Gehst Du zur Post ? Ich mu§ noch zum Finanzamt, zum Gericht.

Hier wird schon deutlich, daß man an dieser Stelle etwas zu erledigen hat. Die gilt erst recht bei Personenbezeichnungen : Er geht zum Arzt, zum Friseur, zum Notar .

Wir gehen ins Theater

Gegenüber der Fülle von Möglichkeiten bei zu ist die Präposition in enger begrenzt. Sie bezieht sich als Richtungsangabe immer auf ein Ziel, in das man hineingeht oder-fährt : Wir gehen heute abend ins Theater, ins Kino. Ich muß um acht ins Büro, ins Geschäft. Wir wollen ins Museum, in die Ausstellung, in die Stadt.

Wir reisen in die Schweiz / nach Holland

Wer verreist, der fährt wohl in ein anderes Land, aber mit dem Namen dieses Landes kann in nur verbunden werden, wenn ein Artikel dabeisteht : Ich fahre in die Schweiz, wir fliegen in die USA, in die Türkei.

Das sind Ausnahmen, denn die Orts- und Ländernamen haben in Deutschland gewöhnlich einen Artikel, und das in bezeichnet die Lage (Frage wo ?), aber nicht die Richtung (Frage wohin ?) :
Er wohnt in Berlin, Brüssel liegt in Belgien. Deutsche leben in Deutschland.

Darum gibt bei Ort- und Landernamen nach die Richtung an :
Er fährt nach Frankfurt. Die Bundesregierung wurde nach Berlin verlegt. Der Flug geht von Brüssel nach Köln. Der Filialleiter wurde nach Frankreich versetzt.

Ähnlich ist es bei Inselnamen, nur daß dort auf die Lage angibt, nicht in: sie verbrachten ihren Urlaub auf Malta. Inseln liegen im Wasser und die Richtung wird auch bei Inselnamen mit nach bezeichnet :
Ich fahre nach Mallorca, das Schifährt nach Gran Canaria, wir fliegen nach Teneriffa.

Dieses nach ist aber in der Hochsprache nur bei geographischen Namen zulässig. Ein Satz wie Wir gingen nach dem Schloß ist hochsprachlich nicht korrekt.
Einzig zulässige Ausnahme ist die Fügung Wir gehen nach hause, weil es sich als Richtungsangabe durchgesetzt hat und Hause gleichzeitig auch die Lage bezeichnet.

Er ist zu Hause - er geht nach Hause.

Die Präpositionen in, auf und zu können als Richtungsangaben nur vor einem Artikel stehen.

in die Stadt, aber : nach Köln
in ein anderes Land, aber : nach Italien
auf die Insel, aber : nach Mallorca

Und es heißt nur :
Zum Bahnhof, zum Bäcker, zum Arzt.

Antje Schroeder.