OKTOBER 2001

Political Correctness in der deutschen Sprache

Political Correctness (PC) ist eine Anfang der 90er Jahre an Universitäten der USA geprägte, umstrittene Bezeichnung für eine "richtige" Einstellung, die alle Handlungen und Ausdrucksweisen ablehnt, die Personen aufgrund ihrer Rasse, ihres Geschlechts, ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht, ihrer körperlichen sowie geistigen Behinderung oder sexuellen Neigung diskriminieren. Der Ausdruck wird wegen seiner Unschärfe kritisiert und häufig ironisiert; inhaltliche Kritik entzündet sich vor allem an der Frage, ob ohne Überzeugung angewandte Sprachgebrauchsregelungen eine Verbesserung in der Realität herbeiführen können.

Auch in Europa zeigt das Konzept der PC deutliche Auswirkungen auf den öffentlichen Sprachgebrauch. Dabei kann - anders als in den USA - zumeist keine politisch korrekte, verbindlich "richtige" Bezeichnung genannt werden, sondern es kann nur aufgelistet werden, welche Wörter nicht mehr unreflektiert verwendet werden sollen. Es handelt sich dabei nicht um die Bezeichnungen, die offensichtlich diskriminierend gemeint sind, sondern vielmehr um solche, die lange Zeit neutral verstanden und dementsprechend etwa auch in Wörterbüchern nicht mit Markierungen wie z.B. abwertend gekennzeichnet wurden.

Das Phänomen Political Correctness geht weit über eine normale Sprachbeschreibung hinaus und ist deshalb auch eher Thema politischer als sprachwissenschaftlicher Auseinandersetzungen. Die folgende Auflistung kann aus diesen Gründen natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

1. Verwendung der gewünschten Eigenbezeichnungen

Wichtigstes Prinzip der PC ist die Übernahme der von den Betroffenen gewünschten Eigenbezeichnungen. Am bekanntesten hierbei ist wohl die Ablehnung des Wortes Neger in der Sprache der Öffentlichkeit. Die mit dem Wort verbundenen Vorstellungen sind so negativ, dass das Argument, das Wort sei neutral gemeint, nicht mehr akzeptiert wird. Es müssen also andere Bezeichnungen wie Afrikaner, Schwarze, Farbige oder Afroamerikaner verwendet werden.

Bereits seit Jahren wird vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma die Bezeichnung Zigeuner als diskriminierend abgelehnt. Sie soll durch Sinti und Roma ersetzt werden. Andere Gruppen wählen jedoch weiterhin die Eigenbezeichnung Zigeuner, so dass gerade hier keine verbindliche Regelung getroffen werden kann.

Ähnlich umstritten ist das Wort Eskimo, das "Rohfleischesser" bedeutet und deshalb in der Sprache dieses Volkes nicht verwendet wird. Die Selbstbezeichnung ist Inuit.

In deutschsprachigen Ländern bezeichnen sich homosexuelle Männer selbst als Schwule, homosexuelle Frauen als Lesben. Die Bezeichnung homosexuell beziehe sich zu Unrecht allein auf das Geschlechtsleben, Schwul- bzw. Lesbischsein seien dagegen Ausdruck einer anderen Lebensart. In diesem Fall ist also eine ursprünglich abwertend gemeinte Bezeichnung zur politisch korrekten geworden.

Die Grünen im Bundestag haben im Zuge der PC vereinbart, auf die Ausdrücke türken (fingieren, fälschen) bzw. getürkt und einen Türken bauen (etw. mit betrügerischer Absicht als echt hinstellen) zu verzichten.

2. Orientierung an fachsprachlichen Bezeichnungen

Ein zweites wichtiges PC-Prinzip ist die Vermeidung umgangssprachlicher Ausdrücke, was besonders bei der Benennung von Behinderten und Verhaltensauffälligkeiten zum Tragen kommt. In der Psychologie als abweichend gekennzeichnetes Verhalten wird nicht mehr als abartig bezeichnet; ehemals medizinische, jetzt nur noch umgangssprachliche Ausdrücke wie Irresein bzw. Irrsinn für verschiedene Formen endogener psychischer Krankheiten oder Schwachsinn für Oligophrenie unterschiedlicher Schwere gelten als diffamierend. Zur Bezeichnung körperlicher Auffälligkeiten wird das neutralere fachsprachliche Fehlbildung dem Wort Missbildung vorgezogen. Das bekannteste Beispiel aus diesem Bereich ist die Ablösung des umgangssprachlichen Mongolismus durch die fachsprachliche Bezeichnung Downsyndrom. Kleinwüchsige Menschen werden nicht mehr als zwergenwüchsig bezeichnet und allenfalls in artistischem Zusammenhang Liliputaner/innen genannt.