SEPTEMBER 2001

Amerikanismen / Anglizismen

Teil 2: Wortbildung

Manche (Halb)präfixe und (Halb)suffixe werden unter dem Einfluss des Englischen besonders produktiv, z.B.:

. best-: bestbekannt, bestinformiert, bestbezahlt, bestgehasst;
. Ex-: Exau§enminister, Exweltmeister, Exgattin;
. Mini-: Minigolf, Minikleid, Minibus, Ministaubsauger;
. Monster-: Monsterprogramm, Monsterprozess, Monsterschau, Monsterveranstaltung;
. super-/Super-: superschnell, supersanft; Superbombe, Supermacht, Supermarkt;
. Top-: Toplage, Topausstattung, Topleistung;
. -bewusst (nach: -conscious): preisbewusst, körperbewusst, modebewusst;
. -weit (nach: -wide): weltweit, bundesweit.

Im Bereich der Wortzusammensetzung ist einmal auf englisch-deutsche Mischbildungen wie Livesendung, Popsänger, Fußballfan, Discountladen, Werbespot, Spikesreifen, Mauspad hinzuweisen. Ferner gehen auf englischen Einfluss direkte Zusammensetzungen anstelle präpositionaler Fügungen zurück: Ministerreise / die Reise des Ministers nach Tokio, Berlinbesuch / Besuch in Berlin, Helsinkikonferenz / Konferenz in Helsinki, EU-Beitritt / Beitritt in die EU.

Schließlich haben auch Verbableitungen aus Substantiven wie leitartikeln, lichthupen, dauerparken, bausparen, not-/zwischenlanden, schutzimpfen Parallelen in der Wortbildung des Englischen.

3. Syntax

Als Einzelerscheinung ist hier die vom Englischen beeinflusste Fügung in + Jahreszahl (in 1997) für im Jahre + Jahreszahl anzuführen. Auch die besonders in Pressepublikationen zu beobachtende Umstellung von Subjekt und Prädikat in Formulierungen wie Schimpfe Dortmunds Trainer H.Z.: ... Schwärme Regisseurin Agnes Varda schon jetzt: ... hat Parallelen im Englischen.

Sodann wird die transitive Verwendung einiger eigentlich intransitiver Verben auf englischen Einfluss zurückgeführt (einen Wagen fahren, jemanden boxen [für: gegen jmdn. boxen]. Was fliegen deutsche Manager?)

Imperative wie Fliegen Sie...! für Fliegen Sie mit...! oder ähnlichem, die verstärkt in der Werbesprache auftauchen, lassen sich ebenfalls mit englischen Vorbildern in Zusammenhang bringen.

Auch vorangestellte Genetivattribute, wie Bayerns große Familienbrauerei, Stuttgarts beliebteste Showband, Roms Priester, wären ohne die entsprechende englische Konstruktion gewiss seltener in der deutschen Zeitungssprache anzutreffen.

Schließlich kann auch der Ersatz des Passivs oder einer passivischen Ersatzkonstruktion durch das Aktiv bei einigen Verben mit der Einwirkung des Englischen erklärt werden:

Die BZ verkauft 160 000 Exemplare (nach: the book sells 10 000 copies). (Ähnlich:) Das Geschäft öffnet morgen.

Aus dem IT-Bereich ist der Gebrauch von englischen Fachbegriffen nicht mehr wegzudenken. Angefangen beim Computer und Hard-/Software, über Megabites bis hin zum Scanner als wichtiges Equipment gibt es seit einigen Jahren nun auch das Internet, zu dem man als erstes einen Access benötigt. Es wird nichts mehr daraus heruntergeladen, sondern downgeloaded (man beachte die deutsche Konjugation). Die neuesten, interaktiven Websites und Homepages sind in aller Munde, ohne E-Mail Adresse ist man ein Nichts, und surfen impliziert schon lange keinen Strand oder Wasser mehr.

Auch der Mobilfunk bedient sich kräftig aus der englischen Sprache. Das Handy (engl.: handlich) heißt zwar im Englischen selbst mobile, aber so wie der mobile Anrufbeantworter zur Mailbox mutiert ist, wird wapen bald wohl auch alltäglich werden.

Stellenanzeigen lesen sich mittlerweile auch besser mit dem Wörterbuch in der freien Hand, sie sind dann einfacher zu handlen. Da wird zum Recruiting oder Assessment Center eingeladen, in Trainee Programmen lernt man on the job, was bei manchen die Hoffnung weckt, nach vielen Meetings baldmöglichst zum Manager- oder zumindest zum Chief Consultant aufzusteigen.

Ansonsten werden heutzutage gerne News ausgetauscht, man geht zu angesagten Events, in In-Clubs der Szene, wo nicht ausschließlich Chartmusik läuft, aber nur Mainstream ist auf die Dauer ja auch langweilig. Es wird die geeignete Location für die eigene Party gesucht, die natürlich total hip sein muss. Cool statt hot bzw. top und nicht flop zu sein ist das tägliche Bestreben des modernen Menschen, hauptsächlich wohl des Teenies oder Twens, so dass die gute alte Cola auch schnell mal zur Coke wird. Aber - don't worry: alles easy.